Private 5G-Campusnetze für Unternehmen erklärt
5G-Campusnetze erklärt: Aufbau, Frequenzen bei der Bundesnetzagentur, Betriebsmodelle, Einsatzfelder, Vergleich mit WLAN und erste Schritte zum eigenen Netz.
EdgeVeröffentlicht
Ein privates 5G-Campusnetz ist ein Mobilfunknetz, das nur einem Unternehmen und dessen Gelände dient: einem Werk, einem Hafen, einem Logistikzentrum, einem Klinikum oder einer Hochschule. Die Technik ist dieselbe wie im öffentlichen 5G-Netz, aber Abdeckung, SIM-Karten, Kapazität und Regeln sind auf einen Standort zugeschnitten. Unternehmen setzen Campusnetze ein, wenn viele bewegliche Geräte auf großen oder schwierigen Flächen zuverlässig funken müssen, häufig zusammen mit Edge Computing vor Ort.
Woraus ein Campusnetz besteht
- Funkzugangsnetz (RAN): Antennen und Funkeinheiten auf dem Gelände, die Hallen und Außenflächen versorgen.
- 5G-Kernnetz: Software, die Geräte authentifiziert, Verbindungen verwaltet und Daten weiterleitet. Im vollständig privaten Netz läuft sie vor Ort, in hybriden Modellen teils beim Netzbetreiber oder in einem Rechenzentrum.
- SIM- oder eSIM-Profile: Jedes Gerät erhält Zugangsdaten für das Campusnetz. So legen Sie fest, wer sich verbinden darf.
- Endgeräte: Roboter, fahrerlose Transportsysteme, Sensoren, Kameras, Tablets und Router mit 5G-Modul für das genutzte Band.
- Edge-Server: Anwendungen mit geringen Latenzanforderungen laufen auf dem Gelände, die Daten verlassen es nicht.
Frequenzen: der Weg über die Bundesnetzagentur
In Deutschland stellt die Bundesnetzagentur den Bereich 3.700 bis 3.800 MHz für lokale Netze bereit. Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Landwirtschaftsbetriebe und andere Nutzungsberechtigte eines Grundstücks können eine Zuteilung für ihren Standort beantragen, mit dem aktuellen Antragsformular der Behörde. Die Gebühr berechnet sich nach einer Formel aus Bandbreite, Fläche und Laufzeit. Laut Bundesnetzagentur wurden seit dem Start im Jahr 2019 mehrere Hundert solcher Zuteilungen erteilt. Zusätzlich gibt es lokale Zuteilungen im 26-GHz-Bereich für sehr hohe Kapazität auf kurzen Distanzen.
In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln der jeweiligen Regulierungsbehörden. Wer Standorte in mehreren Ländern plant, sollte das früh klären. Ohne eigene Frequenzen bleibt der Weg über einen Mobilfunknetzbetreiber, der das Netz mit seinem Spektrum bereitstellt.
Betriebsmodelle
| Modell | Bedeutung | Passt zu |
|---|---|---|
| Eigenständiges Campusnetz | eigene Frequenzen, eigenes RAN und Kernnetz vor Ort | großen Werken mit hohen Anforderungen an Verfügbarkeit und Datenhoheit |
| Hybrides Netz | eigenes RAN vor Ort, Kernnetz teils beim Betreiber oder Dienstleister | Unternehmen, die lokale Abdeckung wollen, aber kein komplettes Kernnetz betreiben |
| Betreiberbasiertes Netz | Netzbetreiber stellt dedizierte Kapazität oder ein Network Slice in seinem Spektrum bereit | Standorten ohne eigene Zuteilung, mehreren Standorten |
| Kernnetz als Dienst | Kernnetz-Software beim Dienstleister, Funk vor Ort | kleineren Standorten, schnellem Einstieg |
Wer welchen Teil betreibt, hat Folgen für die Datenhoheit. Steht Unabhängigkeit von externen Betreibern im Vordergrund, gelten dieselben Fragen wie bei der souveränen Cloud: Wo läuft das Kernnetz, wer hat administrativen Zugriff, welches Recht gilt?
Einsatzfelder
- Industrie: Funkanbindung mobiler Roboter und fahrerloser Transportsysteme, umbaubare Fertigungslinien ohne Verkabelung, Erfassung von Maschinendaten.
- Logistik und Häfen: Ortung von Fahrzeugen, Kränen und Containern auf großen Freiflächen.
- Bergbau, Energie, Chemie: Abdeckung schwieriger Umgebungen, Sensorik in entlegenen Bereichen.
- Campus und Klinik: eigene Netze für bestimmte Anwendungen wie Geräteortung.
- Veranstaltungen und Medien: temporäre Netze für Produktionstechnik.
Campusnetz oder WLAN?
| Aspekt | Privates 5G | WLAN |
|---|---|---|
| Frequenzen | zugeteilt, Störungen kontrollierbar | lizenzfrei, mit anderen geteilt |
| Reichweite je Zelle | größer, gut für Freiflächen und große Hallen | kleiner, viele Access Points nötig |
| Mobilität | nahtlose Übergabe zwischen Zellen ist Kernfunktion | Roaming möglich, aber weniger planbar |
| Geräteauswahl | Industriegeräte wachsen, wenige Consumer-Geräte | nahezu jedes Gerät kann WLAN |
| Kosten und Aufwand | höher, Spezialwissen nötig | geringer, bekannte Technik |
Für Büros und die meiste Innen-IT bleibt WLAN die pragmatische Wahl. Ein Campusnetz lohnt sich dort, wo Abdeckung, Mobilität und planbare Leistung auf großem Gelände den Aufwand rechtfertigen. Die Latenz hängt von Konfiguration und dem gesamten Weg ab; wie sich die Anteile summieren, erklärt Edge oder Cloud? Latenz erklärt.
Erste Schritte
- Anwendungsfall und Anforderungen festlegen: welche Geräte, wie viele, wo, mit welcher Zuverlässigkeit und Latenz.
- Endgeräte prüfen: Gibt es passende 5G-Module für das Band und die benötigten Gerätetypen?
- Betriebsmodell wählen: eigene Zuteilung und eigenes Netz, hybrid oder über einen Betreiber.
- Funkplanung: Abdeckung des Geländes einschließlich Außenflächen und schwieriger Zonen.
- Pilot: mit einem Bereich und einer Anwendung starten, messen, dann ausbauen.
- Betrieb klären: Wer verwaltet SIM-Profile, Updates, Monitoring und Störungen?
Diese Übersicht dient der Orientierung. Für den Frequenzantrag gelten die aktuellen Vorgaben und Formulare der Bundesnetzagentur.
Häufige Fragen
Wie beantrage ich Frequenzen für ein 5G-Campusnetz?
Bei der Bundesnetzagentur, mit dem dort bereitgestellten Antragsformular für lokale Netze im Bereich 3.700 bis 3.800 MHz. Antragsberechtigt sind Nutzungsberechtigte des Grundstücks, etwa Eigentümer oder Mieter. Formulare, Verwaltungsvorschriften und Gebührenregeln finden Sie auf der Seite der Behörde.
Brauche ich zwingend eigene Frequenzen?
Nein. Alternativ kann ein Mobilfunknetzbetreiber ein privates oder hybrides Netz mit seinen eigenen Frequenzen bereitstellen, etwa über Network Slicing. Eigene Frequenzen bringen mehr Unabhängigkeit, aber auch mehr Verantwortung im Betrieb.
Welche Geräte funktionieren im Campusnetz?
Geräte brauchen ein 5G-Modul, das das genutzte Frequenzband unterstützt, und ein SIM- oder eSIM-Profil des Campusnetzes. Industrierouter, Sensoren, Handhelds und Fahrzeuge mit passenden Modulen sind erhältlich. Prüfen Sie die Bandunterstützung jedes Gerätetyps früh.
Wie sicher ist ein privates 5G-Netz?
5G bringt starke Authentifizierung und Verschlüsselung über SIM-Zugangsdaten mit, und im Campusnetz bleibt der Verkehr auf dem Gelände. Die Sicherheit hängt trotzdem von Konfiguration, Updates, Zugriff auf das Kernnetz und den angeschlossenen Geräten ab.