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Von AWS oder Azure zu einem europäischen Cloud-Anbieter

Umzug von AWS, Azure oder Google Cloud zu einem europäischen Anbieter: Bestandsaufnahme, Dienste zuordnen, Egress und Data Act, Umschaltung und typische Fallen.

EU-CloudVeröffentlicht

Ein Umzug von AWS, Azure oder Google Cloud zu einem europäischen Anbieter folgt sechs Schritten: Bestand erfassen, jedem Dienst ein Gegenstück zuordnen, die Infrastruktur mit portablen Werkzeugen neu aufbauen, Daten übertragen, beide Umgebungen parallel betreiben und schließlich umschalten. Der Großteil der Arbeit steckt in den Diensten, die es nur beim Hyperscaler gibt. Virtuelle Maschinen, Container und Standard-Datenbanken sind selten das Problem.

Warum Unternehmen wechseln

Meist kommen drei Gründe zusammen: Kosten, vor allem für ausgehenden Traffic, Datenschutzanforderungen von Kunden und Aufsicht sowie der Wunsch, die Abhängigkeit von einem einzelnen außereuropäischen Anbieter zu verringern. Wie sich Datenstandort und Rechtsraum des Anbieters unterscheiden, erklärt souveräne Cloud. Halten Sie das Ziel schriftlich fest, denn es entscheidet später, welche Kompromisse vertretbar sind.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Erfassen Sie alles, was im Konto läuft, nicht nur das, woran sich das Team erinnert. Kostenberichte und das Ressourceninventar des Anbieters sind ein guter Startpunkt. Notieren Sie je Ressource:

  • Zweck und verantwortliche Person,
  • Datenmenge und erzeugten Traffic,
  • ob es sich um Standardtechnik (Linux-VM, PostgreSQL, S3-artiger Speicher) oder einen proprietären Dienst handelt,
  • welche anderen Dienste davon abhängen.

Daraus entsteht eine Abhängigkeitskarte und mit ihr eine realistische Aufwandsschätzung.

Schritt 2: Dienste zuordnen

Typischer AWS-Dienst Portables Gegenstück bei einem europäischen Anbieter
EC2 Cloud-Server bzw. Instanzen
S3 S3-kompatibler Object Storage (bei den meisten EU-Anbietern verfügbar)
RDS für PostgreSQL oder MySQL verwaltete Datenbank oder Eigenbetrieb auf einem Server
EKS Managed Kubernetes
Elastic Load Balancing Load Balancer des Anbieters oder Ingress-Controller
Route 53 beliebiger DNS-Anbieter
Lambda, DynamoDB, SQS, Step Functions meist Umbau: Container, PostgreSQL, Open-Source-Queue oder anderes Design

Für Azure und Google Cloud gilt dieselbe Logik. Die letzte Zeile frisst die Zeit: Für DynamoDB oder Cosmos DB gibt es keinen direkten Ersatz, also planen Sie Codeänderungen und Tests ein.

Welche Anbieter welche verwalteten Dienste haben, zeigen europäische Cloud-Anbieter und für die Enterprise-Plattformen STACKIT, IONOS Cloud und OVHcloud. Wer BSI-C5-Nachweise braucht, findet dort auch die Hinweise zu den Testaten.

Schritt 3: Portabel neu aufbauen

Bauen Sie die Zielumgebung nicht per Hand in einer neuen Weboberfläche nach. Beschreiben Sie die Infrastruktur als Code mit Terraform oder OpenTofu, für die die meisten europäischen Anbieter Provider veröffentlichen. Verpacken Sie Anwendungen als Container. Läuft bei Ihnen schon Kubernetes, ist Managed Kubernetes in Europa das naheliegende Ziel: Manifeste und Helm-Charts lassen sich weiterverwenden, angepasst werden vor allem Storage-Klassen, Load Balancer und Ingress.

Brauchen Sie Kubernetes nicht, führen Sie es nicht nur für den Umzug ein. Ein PaaS oder Docker Compose auf wenigen Servern reicht oft, siehe Container-Deployment für kleine Teams.

Schritt 4: Daten übertragen

Die Daten bestimmen den Zeitplan:

  • Object Storage: mit einem S3-kompatiblen Werkzeug synchronisieren, bei der Umschaltung nur noch das Delta.
  • Datenbanken: kleine per Dump und Restore, größere per logischer Replikation, damit die neue Datenbank bis zur Umschaltung synchron bleibt.
  • Dateisysteme und Volumes: rsync oder Snapshot-Export, je nach Anbieter.

Egress-Kosten. Große Datenmengen aus einem Hyperscaler herauszuholen war lange teuer. Der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854) verpflichtet Cloud-Anbieter, Wechselentgelte abzubauen und ab dem 12. Januar 2027 ganz darauf zu verzichten. Zusätzlich haben AWS, Microsoft und Google angekündigt, Transfergebühren für auswandernde Kunden zu erlassen, in der Regel nach Anfrage beim Support. Klären Sie das vor dem großen Transfer.

Schritt 5: Parallelbetrieb und Tests

Betreiben Sie die neue Umgebung neben der alten. Testen Sie Funktionen, Leistung unter realistischer Last, Backups samt Wiederherstellung, Monitoring und Alarmierung. Senken Sie die DNS-TTL einige Tage vorher, damit die Umschaltung schnell greift.

Schritt 6: Umschalten und aufräumen

Schreibzugriffe einfrieren oder auf die replizierte Datenbank wechseln, letzte Synchronisation, DNS umstellen, Fehlerraten beobachten und die alte Umgebung für einen festgelegten Zeitraum als Rückfallebene bereithalten. Erst danach Ressourcen im alten Konto löschen. Logs und Rechnungsdaten mit Aufbewahrungspflicht vorher exportieren.

Typische Stolperfallen

  • Versteckte Abhängigkeiten wie IAM-Rollen, SES für den Mailversand oder CloudFront vor einem Bucket.
  • Unterschätzter Betriebsaufwand für Dienste, die bisher verwaltet waren.
  • Lizenzen, die an den Marketplace des Hyperscalers gebunden sind.
  • Verträge und Datenschutz: AVV mit dem neuen Anbieter abschließen und das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten anpassen, bevor Produktivdaten umziehen.

Diese Anleitung dient der Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Binden Sie bei personenbezogenen Daten Ihren Datenschutzbeauftragten ein und prüfen Sie die Vertragsbedingungen beider Anbieter.

Die Anbieter in diesem VergleichStand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Umzug von AWS in eine europäische Cloud?

Das hängt von der Zahl der Dienste ab und davon, wie proprietär sie sind. Eine containerisierte Web-App mit PostgreSQL und Object Storage zieht in Tagen um, eine Landschaft aus vielen verwalteten AWS-Diensten kann Monate brauchen. Erst die Bestandsaufnahme liefert eine belastbare Schätzung.

Spare ich Geld, wenn ich AWS verlasse?

Oft bei Rechenleistung und vor allem beim ausgehenden Traffic, den viele europäische Anbieter günstiger berechnen. Dafür müssen Sie eventuell Dienste selbst betreiben, die AWS bisher verwaltet hat. Vergleichen Sie Gesamtkosten inklusive Betriebsaufwand, nicht nur Listenpreise.

Muss ich für den Datentransfer beim Auszug zahlen?

Der EU Data Act verpflichtet Cloud-Anbieter, Wechselentgelte schrittweise abzubauen; ab dem 12. Januar 2027 dürfen sie keine mehr verlangen. AWS, Microsoft und Google haben außerdem Programme angekündigt, die Transfergebühren beim Auszug erlassen, meist auf Anfrage beim Support. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen vor dem großen Transfer.

Ist ein hybrider Zwischenschritt sinnvoll?

Für viele Teams ja. Zustandslose Dienste zuerst umziehen und die Datenbank noch eine Weile am alten Ort lassen senkt das Risiko. Verkehr zwischen zwei Clouds kostet aber Latenz und Egress, die hybride Phase sollte deshalb kurz bleiben.

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